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Wie entgiftet unser Körper eigentlich?

Wie entgiftet unser Körper eigentlich?

Nadia Beyer Aug 2, 2019 0 132

Um unseren Körper bei der Entgiftung unterstützen zu können, ist es immer sinnvoll, sich zunächst mit der Entgiftung selbst zu beschäftigen bzw. damit, wie Entgiftung im Körper überhaupt funktioniert. Erst, wenn wir dies verstanden haben, können wir die Sinnhaftigkeit so mancher Empfehlung besser beurteilen, einordnen und vor allem auch die für uns richtigen Prioritäten bezüglich der Vielzahl an Entgiftungsmaßnahmen setzen.

Wenn es um die Entgiftung unseres Körpers geht, denken viele sicher zunächst an all das, was unseren Körper täglich über diverse Körperöffnungen verlässt, sei es Stuhl, Urin oder Schweiß und wir denken entsprechend an die dafür zuständigen Ausscheidungsorgane, die daran beteiligt sind, wie z.B. den Darm, die Nieren oder die Haut. Und das ist auch völlig korrekt, denn über diese Wege scheiden wir sowohl Abfallstoffe unseres eigenen Zellstoffwechsels, Toxine stammend von Bakterien und Pilzen sowie die in unseren Körper eingedrungenen Fremdstoffe aus. Doch bevor wir diese Stoffe auf natürlichem Wege aus dem Körper befördern können, muss unser Körper oft einige Vorbereitungsarbeiten treffen, denn das, was wir an Schadstoffen aufnehmen oder selbst in unserem Körper entsteht, ist oftmals fettlöslicher Natur und kann in dieser Form den Körper nicht so einfach über solch wässrige Medien, wie Urin, Schweiß oder Stuhl verlassen.

Fettlösliche Giftstoffe müssen wasserlöslich gemacht werden

Giftstoffe müssen deshalb zunächst in eine wasserlösliche Form überführt werden und können erst dann über den Schweiß, den Urin oder den Stuhl unseren Körper verlassen. Oftmals müssen sie auch erst aus Fettdepots oder Muskeln mobilisiert werden, um dann wasserlöslich und ausscheidbar gemacht zu werden. Fragr sich nun, wer macht und kann das? Im Grunde ist jede Körperzelle zu einem geringen Anteil dazu in der Lage, aber am besten können dies unsere Leberzellen, weshalb man die Leber auch als unser wichtigstes Stoffwechsel- und Entgiftungsorgan bezeichnet. Giftstoffe, die wir über die äußere Haut oder die Schleimhäute der Lungen oder des Darms aufnehmen oder die aus Körperdepots wie Fett und Muskulatur mobilisiert werden, gelangen deshalb über den Blutweg immer zur Leber.

Bevor sie ihre Reise zur Leber aber antreten können, müssen sie natürlich erstmal aus den Zellen freigesetzt und in den Bereich zwischen den Zellen, den man auch als interstitiellen Raum bezeichnet, geschoben werden. Von dort erst gelangen sie dann schließlich ins Blut und so zur Leber. Die Abgabe in diesen Zwischenzellbereich erfolgt dabei immer entlang eines Konzentrationsgradienten, d.h. Schadstoffe strömen vorrangig nur dann aus den Zellen raus, wenn sich im Zwischenzellgewebe, also außerhalb der Zelle, weniger Schadstoffe und Stoffwechselendprodukte befinden als in den Zellen. D.h. dieser Bereich muss immer wieder ausreichend gereinigt und „geleert“ werden, damit neue Stoffe aus der Zelle in ihn ausströmen können. Im Optimalfall wird genau dies auch gewährleistet, in dem sich diese flüssig bis leicht visköse Flüssigkeit zwischen den Zellen, die man auch als Lymphe bezeichnet, über Muskelkontraktionen bewegt wird. Schadstoffe und Stoffwechselprodukte gelangen so in die Lymphbahnen und von dort später schließlich in den Blutkreislauf. Deshalb ist ein guter Lymphfluss durch ausreichend Bewegung, Trinken und Wärmeanwendungen sowie eine gute Durchblutung des Körpers so wichtig, wenn es um das Abströmen von Giften aus den Zellen geht. Nur so können Schadstoffe zum weiteren Abbau über das Blut schlussendlich zur Leber gelangen.
Die Entgiftung, die primär in Leberzellen stattfindet und die man auch als Biotransformation bezeichnet, ist übrigens ein mehrstufiger Prozess. Man spricht heute von den 3 Phasen der Entgiftung und diese Entgiftungsschritte werden von einer Vielzahl an Enzymen katalysiert, die teilweise sehr viele verschiedene Giftstoffe bzw. Substrate umsetzen können. Sie sind demnach nicht sehr subtratspezifisch und ermöglichen es uns somit, dass wir eine enorm große Zahl an verschiedensten Schadstoffen entgiften können.

 

Giftstoffabbau erfolgt in mehreren Schritten

In der Phase I geschieht nun folgendes. Kleine Moleküle (z. B. Sauerstoff, Wasser) werden zunächst in die zu entgiftende Substanz eingefügt. Dadurch wird der Giftstoff bereits etwas wasserlöslicher als vorher. Gleichzeitig aber werden dabei auch weitere molekulare Angriffspunkte für die anschließende Umsetzung durch Enzyme in der Phase II geschaffen. Die häufigste Form der Modifikation eines Giftstoffs in Phase I ist übrigens die Oxidation und eine der bekanntesten Enzymfamilien, die diese Reaktion katalysieren, sind die Cytochrom-P450-abhängigen Monooxygenasen, kurz CYP genannt.

In der anschließenden Phase II erfolgt dann Folgendes: Die entstandenen Phase-I-Produkt werden mit größeren und komplexeren Molekülen verknüpft. Diese Verknüpfung, auch Konjugation genannt, führt dazu, dass der Giftstoff schließlich vollständig wasserlöslich wird. Moleküle, die an das erste Zwischenprodukt angehängt werden sind u.a. Schwefelverbindungen (z. B. Sulfat oder Glutathion), Zuckerabkömmlinge (z. B. Glucuronsäure), Aminosäuren (z. B. Glycin, Taurin), Methylgruppen oder auch Fettsäuren (z. B. aktivierte Essigsäure = Acetyl-CoA). Die bekanntesten Enzyme dieser Phase II sind übrigens die Glutathion-S-Transferasen, kurz GST genannt, die v. a. Schwermetalle (Quecksilber, Arsen und Cadmium), Aflatoxine oder Verbrennungsrückstände wie Benzo(a)pyren wasserlöslich und ausscheidbar machen.

Heute wissen wir, dass aber nicht nur die Leber in der Lage ist fettlösliche Giftstoffe in eine wasserlösliche Form zu überführen, sondern dass auch Darmschleimhautzellen und zum geringen Teil auch Nierenzellen dazu befähigt sind. Und das macht gerade den Darm als Entgiftungsorgan so interessant. Die Darmschleimhautzellen sind quasi der Leber vorgeschaltete kleine Entgiftungsinstanzen, die Giftstoffe aus dem Darm aufnehmen, wasserlöslicher machen und zur endgültigen Ausscheidung in den Stuhl abgeben oder sie weiter über das Blut zur Leber schicken.

Die 3 Entgiftungsphasen

Diese Form des zweistufigen Abbaus in Darm- und Leberzellen ist übrigens der Grund dafür, warum oral aufgenommene Medikamente häufig bereits vor Erreichen ihres Zielorgans einen Großteil ihrer Wirkung verlieren. Sie erfahren bereits in der Darmschleimhautzelle und später in der Leberzelle einen teilweisen Abbau. Diesen Wirkungsverlust durch Enzyme in der Darm- und besonders der Leberzelle bezeichnet man auch als „First-Pass-effect“. Er muss bei der Dosierung von Medikamenten immer mit einkalkuliert werden, um eine ausreichende Wirkung eines Medikaments erzielen zu können. Erwähnen und betonen möchte ich an dieser Stelle aber, dass es auch Medikamente gibt, die durch die enzymatischen Prozesse der Phase I, also den „First-Pass-Effekt“, erst in ihre wirksame Form überführt werden. Man bezeichnet diese dann als sogenannte Prodrugs, d. h. Medikamentenvorstufen, die erst im Körper aktiviert werden müssen, um überhaupt wirken zu können. Deshalb bezeichnet man die Phase I auch als Phase der „Aktivierung“. Codein ist z. B. eine solche Substanz, die zunächst als unwirksame Vorstufe in den Körper aufgenommen und dann durch Enzyme der Phase I in Darm und Leber in ihre wirksame Form – nämlich das schmerzlindernde Morphin – überführt wird. Die Leber erfüllt somit zusammen mit dem Darm nicht nur eine bedeutende Entgiftungs-, sondern auch eine wesentliche Aktivierungsfunktion für Medikamente.

First-Pass-Effekt: Abbau oder Aktivierung von Fremdstoffen (z. B. Medikamente) durch Phase-I- und Phase-II-Enzyme in Darm- und Leberzellen

Wichtig zu betonen ist auch, dass die enzymatischen Prozesse der Phase I oftmals dazu führen, dass die Giftigkeit einer Substanz paradoxerweise zunächst zunimmt, bevor sie in Phase II dann stark abnimmt. Aus diesem Grund wird die Phase I nicht nur als Phase der Aktivierung, sonders auch als Phase der „Giftung“ bezeichnet. Die Stoffwechselprodukte, die aus der Phase-I-Reaktion hervorgehen, sind demnach hoch reaktiv, teilweise auch krebserregend und sehr toxisch für Nieren, Leber und Nerven. Von besonderer Bedeutung sind dabei die zahlreich entstehenden freien Radikalen (z. B. Superoxid-Anionen (O2.-), Lipidperoxylradikale (ROO.)), die – wenn sie nicht weiter entgiftet werden – oxidativen Stress im Körper hervorrufen. Bei einer unzureichenden Versorgung mit Antioxidantien oder zu geringer Eigenproduktion antioxidativer Enzyme, können diese freien Radikale Schäden an sämtlichen Zellstrukturen schließlich Schäden hervorrufen und v.a. chronische stille Entzündungen im Körper bewirken. Die Kunst ist es deshalb zu ENTgiften, ohne sich dabei zu VERvergiften.

 

Gifte müssen aus der Zelle raus

Was geschieht nun aber weiter? Nachdem die Giftstoffe die Phasen I und II durchlaufen haben – d. h. sie mit komplexen Molekülen verknüpft und wasserlöslich gemacht wurden –, werden sie schließlich mittels spezieller Transportproteine aus der Zelle geschleust. Diese Transportmoleküle werden als Phase-III-Transporter bezeichnet und sorgen dafür, dass die Giftstoffe aus der Leberzelle ins Blut und dann über den Blutweg zur Auscheidung den Nieren zugeführt werden oder über den Schweiß ausgeschieden werden. Das meiste an Giftstoffen wird allerdings von der Leberzelle in die Galle abgegeben, gelangt so in den Darm und wird über den Stuhlgang ausgeschieden.

Diese Phase-III-Zell-Transporter befinden sich übrigens auch in den Darmschleimhautzellen, wo sie dafür sorgen, dass zu entgiftete Substanzen aus der Darmzelle in den Stuhl abgegeben und so über den Darm bzw. Stuhl ausgeschieden werden. Zusätzlich sorgen sie aber auch dafür, dass die Phase-I-Enzyme in der Darmschleimhautzelle nicht überlastet werden und zu viele Phase-I-Zwischenprodukte anfallen. Das bewerkstelligen sie, indem sie Giftstoffe immer wieder rauspumpen, um sie dann zeitverzögert erneut in sich aufzunehmen. Somit schützt sich die Darmzelle selber vor Schäden, die beim zu schnellen Abbau von Giftstoffen entstehen könnten und so wird auch die Leber, welche die im Darm entstandenen Phase-I-Produkte weiter entgiften muss, entlastet

Aufnahme, enzymatischer Teilabbau und Abgabe eines Fremdstoffs durch die Darmschleimhautzellen

Wie dieser Beitrag zeigt ist Entgiftung ein komplexer Vorgang und spielt die Leber, der Darm und seine Schleimhaut, die Nieren und die Haut als Entgiftungsorgane eine ganz wesentliche Rolle. Wie dieser Beitrag ebenso zeigt, sind wir für einen einwandfreien Entgiftungsprozess außerdem auf viele funktionsfähige Enzyme, einen guten Galle- und Lymphfluss sowie eine ausreichende Durchblutung angewiesen. Leider sind aber gerade diese genannten Körperorgane oftmals heute in keinem guten Zustand, sei es die Leber weil sie oft unbemerkt verfettet, die Nieren, weil sie überlastet ist bzw. die Giftausscheidung über Galle und Darm nicht gut funktioniert oder die Darmschleimhaut, weil sie latent entzündet ist und durch eine gestörte Darmflora besiedelt wird. Hinzukommt, dass wir uns meist zu wenig bewegen und zu wenig Wasser trinken, um einen ausreichenden Lymph- und Blutfluss zu gewährleisten.  Und genau aus diesem Grunde macht es großen Sinn, dass wir speziell diese Organe und Körperfunktionen gezielter unterstützen – sei es indem wir den Gallefluss, die Leberfunktion oder die Darmtätigkeit durch das Trinken von Bitterkräutermischungen anregen oder aber die Aktivität von Enzymen verbessern, indem wir unsere Zufuhr an Vitalstoffen, wie Vitaminen, Mineralstoffen und Aminosäuren steigern. Es gibt vieles was wir tun können und in zukünftigen Beiträgen werde ich öfter auf sinnhafte entgiftungsfördernde Maßnahmen eingehen.

Wenn Sie aber gerne schon jetzt mehr über geeignete Strategien zur Entgiftung oder auch zur Darmsanierung erfahren möchten, dann sei Ihnen an dieser Stelle bereits mein Buch Toxfrei – Selbsthilfe und Prävention mit Grips sehr ans Herz gelegt. Mehr Infos zum Buch gibt es Sie auf der Seite www.toxfrei.de, wo Sie auch einige Leseproben aus dem Buch finden und sich in einem umfangreichen Interview über die Inhalte und den Background zur Entstehung des Buches informieren können.

 

Nadia Beyer

Nadia Beyer

Nadia Beyer, geb. 4.4. 1974, ist Dipl. Oecotrophologin (Justus-Liebig-Universität in Gießen) und leitet die Fachakademie für angewandtes Ernährungswissen Carrots & Coffee College in Hannover. Bis zur Gründung 2008 war sie als Dozentin an verschiedenen Heilpraktikerschulen in Hannover, Osnabrück und Bielefeld tätig und schloss u.a. eine Fortbildung zur ganzheitlichen Ernährungsberaterin nach den 5 Elementen ab.

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