• +44 40 8873432
  • info@maniva.com

Schutz und Entfernung von fliegenden Pestiziden auf Lebensmitteln

Schutz und Entfernung von fliegenden Pestiziden auf Lebensmitteln

Nadia Beyer Nov 29, 2019 0 248

Dass Pestizide heutzutage ein gesundheitliches Problem darstellen ist sicher allen bekannt und bewusst. Aus diesem Grunde kaufen die Gesundheitsbewussten unter uns ihre Lebensmittel ja auch primär in Bioläden. Das Problem dabei ist leider nur, dass dies nicht immer ausreicht, um sich genügend vor Pestiziden zu schützen, weil diese Pestizide oft kilometerweit durch die Luft fliegen und somit auch vor heimischen Gärten und Bio-Anbaufeldern nicht Halt machen. 

Bei hohen Temperaturen und starken Wind ist diese Kontamination per sogenanntem Abdrift dabei besonders hoch und traurigerweise sind die Belastungen durch den Pestizideinsatz dabei mittlerweile fast ganzjährig. Wie stark die Pestizidbelastungen sein können, zeigt mal wieder eine an verschiedenen Standorten in Südtirol durchgeführte Untersuchung mit dem treffenden Namen „Vom Winde verweht“, deren Ergebnisse das Umweltinstitut in München im März diesen Jahres veröffentlicht hat. Auch in Deutschland ist von einer ähnlichen Belastung auszugehen, wie erste Ergebnisse einer groß angelegten Untersuchung zeigen, die vom Umweltinstitut München in Zusammenarbeit mit dem „Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft“ an 200 Standorten durchgeführt wird. Auch das eigentlich nicht-flüchtige Glyphosat wurde dabei auf unbehandelten Flächen gefunden. 

Aus diesem Grund macht es heute großen Sinn, noch bewusster Maßnahmen zu treffen, die unserem Körper entgiften helfen. Auch ist es wichtig, dass wir uns versuchen noch besser vor vermeidbaren Giftstoffaufnahmen zu schützen, indem wir z.B. auch das Gemüse und Obst aus heimischem und biologischem Anbau vor dem Genuss auf möglichst clevere Art und Weise waschen. 

Da die meisten Pestizide schlecht wasserlöslich sind, lässt sich nur ein geringer Anteil (ca. 15%) auf Obst und Gemüse durch das Waschen mit bloßem Wasser entfernen [2, 5]. Dabei gilt die Faustregel: je länger die Einweichzeit, je wärmer das Wasser und je mehr die Oberfläche mechanisch bearbeitet, sprich abgeschrubbt wird, umso mehr Pestizide werden entfernt. Am besten man kombiniert Einweichen (am besten ca. 20 min.) mit Schrubben und wäscht das Gemüse anschließend erneut unter fließendem Wasser ab.

https://pixnio.com/flora-plants/vegetables/broccoli-is-a-terrific-source-of-vitamins-a-and-c-as-well-as-dietary-fiber

Weitaus effektiver als das Waschen mit Wasser ist übrigens das Verwenden von Salz. Pestizide lassen sich sehr effektiv (zwischen 65-74 %) mit Hilfe einer 10 %igen Salzlösung entfernen [2, 6], die man sich durch die Zugabe von 100 g Salz auf 1 Liter Wasser selber herstellen kann. Wichtig ist auch hier, dass das Obst und Gemüse wieder einige Minuten einweicht und es vor allem nachträglich gründlich abgewaschen wird, um das Salz wieder zu entfernen.

Auch die Zugabe von Spüli zum Waschwasser entfernt Pestizide (bis zu 86 %) [2, 5]. Grund sind die darin enthaltenen Tenside, welche die Grenzflächenspannungen zwischen der zu reinigenden Lebensmitteloberfläche, den Pestiziden und dem Lösungsmittel Wasser herabsetzt, so dass die Entfernung durch das Wasser sehr effektiv wird. Diese Methode würde ich jedoch nur mit Bio-Spülmittel ohne Duft- und Farbstoffe durchführen und das Obst und Gemüse anschließend ebenfalls nochmals gründlich abspülen.

Die Zugabe von Essig zum Waschwasser, wie es im Internet häufig empfohlen und als wirksam angepriesen wird, erweist sich leider nicht als sehr effektiv und ist in etwa vergleichbar mit reinem Wasser. Essig liefert nur dann gute Reinigungsergebnisse, wenn wir mit einer mindestens 5%igen Säurekonzentration arbeiten [6]. Bei solch einer hohen Essigkonzentration entfernt die darin enthaltene Essigsäure Säure bis zu 100% der Pestizide. Der Haken daran ist nur, dass eine solche 5%ige Säurekonzentration purem Essig entspräche, was diese Waschmethode für die Alltagsanwendung äußerst unrealistisch und kostspielig macht.

Eine weitere Möglichkeit, die sich zur Reduktion von Pestiziden übrigens noch eignet, besteht darin Obst und Gemüse mit einer Lösung aus effektiven Mikroorganismen, kurz EM genannt, zu besprühen oder es 10-20 min. lang in einer Mischung aus Wasser und einer Messkappe EM-Lösung (z.B. EM Klar Aktiv von Multikraft) einzuweichen und diese anschließend erneut abzuwaschen. 

Effektive Mikroorganismen stellen eine spezielle Mischung verschiedener in Symbiose lebender probiotischer Mikroorganismen dar, die ihre Fähigkeit zur biologischen Reinigung von Oberflächen bereits mehrfach belegt haben [4]. Ob die Mikroorganismen aufgrund ihrer umfangreichen Stoffwechselleistungen möglicherweise auch Pestizide abbauen können, gilt es zukünftig wissenschaftlich noch näher zu untersuchen.

Was durch das Waschen von Obst und Gemüse jedoch leider nicht entfernt werden kann, ist das weltweit am häufigsten eingesetzte Herbizid Glyphosat, das in verschiedenen formulierten Formen zusammen mit Begleitstoffen v.a. unter dem Namen „Roundup“ bekannt ist. Es wird, wie viele systemisch wirkende Pestizide, v.a. über die Wurzel in die Pflanze aufgenommen und zirkuliert dann über eine Art Gefäßsystem in der gesamten Pflanze. Die Aufnahme von Glyphosat in die Pflanze wird dabei v.a. durch Beistoffe, gesteigert, so z.B. das Tensid Talgfettaminoxethylat. Die Beistoffe des Glyphosats zeigen dabei übrigens oftmals eine vielfach toxischere Wirkung als Glyphosat selbst, was die glyphosathaltigen Herbizide so gruselig macht.

In der Pflanze angelangt, blockiert das Glyphosat selbst lebensnotwendige pflanzliche Enzyme, die zum Absterben der Pflanze führen. Wie wir heute wissen blockiert und schädigt Glyphosat leider aber nicht nur pflanzliche, sondern auch Enzyme von Tieren und Menschen. Davon betroffen sind besonders die Enzymfamilie der Cytochrom P450 Oxigenasen und das ist besonders problematisch, weil diese Enzyme die wichtigsten Entgiftungsenzyme unseres Körpers darstellen. Auch spielt diese Enzymfamilie eine wesentliche Rolle bei der Bildung von Hormonen, bei der Synthese von Gallensäuren, bei der Aktivierung von Vitamin D und der Regulation unseres Cholesterinspiegels. Hinzu kommt die prooxidative Wirkung und die schädigende Wirkung von Glyphosatformulierungen auf die Darmflora, was oxidativen Stress und weitreichende Folgen v.a. für unser Immunsystem zur Folge hat. 

All dies sind in der Tat unschöne Nachrichten, die uns nachdenklich stimmen und vor allem dazu veranlassen sollten, uns intensiver mit der Vermeidung von Schadstoffen, der Verbesserung unserer Entgiftungsfähigkeit und der Stärkung unserer attackierten Entgiftungsorgane, allen voran Leber, Nieren und Darm zu beschäftigen. In meinem Buch „ToxFREI – Selbsthilfe und Prävention mit Grips“ geh‘ ich deshalb genauestens auf dieses wichtige Thema ein und möchte es Ihnen an dieser Stelle deshalb nochmals wärmstens ans Herz legen. Auch ist es mir mit dem Buch ein besonderes Anliegen, für die im Körper selbst gebildeten „Inweltgifte“ zu sensibilisieren, denn sie können uns ebenfalls enorm belasten bzw. dafür sorgen, dass unsere Entgiftungsorgane bereits an ihre Belastungsgrenze gebracht werden und zusätzliche Schadstoffe von außen kaum noch toleriert werden. Das Gute an diesen „Inweltgiften“ ist, dass wir ihre Menge durch unseren Ernährungs- und Lebensstil deutlich stärker beeinflussen und senken können als die Schadstoffmengen von außen und wie das genau aussehen kann, beschreibt mein Buch. 

Leseproben aus meinem Buch finden Sie auf www.toxfrei.de und noch viele weitere interessante Beiträge über die Themen Entgiftung und gesunde Ernährung in meinem Podcast „Carrots & Coffee Radio“.

Quellen:

(1) http://www.umweltinstitut.org/aktuelle-meldungen/meldungen/2019/pestizide/vom-winde-verweht-luftmessungen-im-vinschgau.html

(2) Effects of home preparation on pesticide residues in cabbage. Zhi-Yong Zhang et al., Food Control, Volume 18, Issue 12, 2007, 1484-1487

(3) Effectiveness of dishwashing liquids in removing chlorothalonil and chlorpyrifos residues from cherry tomatoes. Wang Z et al. Chemosphere. 2013 Aug; 92(8):1022-8

(4) https://www.multikraft.com/fileadmin/user_upload/Multikraftbericht-03-12-2014.pdf

(5) Contributing effect of various washing procedures and additives on the decline pattern of diethofencarb in crown daisy, a model of leafy vegetables. Sung-Woo Kim et al. Food Chemistry, Volume 201, 2016, 153-159

(6) Behaviour of some organophosphorus and organochlorine pesticides in potatoes during soaking in different solutions

Zohair, A.Food and Chemical Toxicology 39(7), 2001, 751-755

(7) Seneff S, Orlando LF (2018) Glyphosate Substitution for Glycine During Protein Synthesis as a Causal Factor in Mesoamerican Nephropathy. J Environ Anal Toxicol 8: 541.

Nadia Beyer

Nadia Beyer

Nadia Beyer, geb. 4.4. 1974, ist Dipl. Oecotrophologin (Justus-Liebig-Universität in Gießen) und leitet die Fachakademie für angewandtes Ernährungswissen Carrots & Coffee College in Hannover. Bis zur Gründung 2008 war sie als Dozentin an verschiedenen Heilpraktikerschulen in Hannover, Osnabrück und Bielefeld tätig und schloss u.a. eine Fortbildung zur ganzheitlichen Ernährungsberaterin nach den 5 Elementen ab.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.