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Ulli’s Filmtipp: THE END OF MEAT – EINE WELT OHNE FLEISCH

Ulli’s Filmtipp: THE END OF MEAT – EINE WELT OHNE FLEISCH

Ulrike David Dez 9, 2017 0 534

Falls Ihr ihn noch nicht gesehen habt, möchte ich Euch diesen Film ans Herz legen – THE END OF MEAT ist ab dem 16. Februar 2018 auf DVD erhältlich.

Der erste Sündenfall des Menschen war nicht der Apfel, sondern die gebratene Taube.

Ein Dokumentarfilm über die Vision einer Welt ohne Fleisch.

 

 

Neulich kam ich auf einer Feier mit einem Mann ins Gespräch, der seinen ersten, zum Glück leichten Herzinfarkt hinter sich hatte. Er war in seinen Fünfzigern und hatte seinen Teller am Buffet mit Fleischgerichten beladen. Anscheinend hatte er sich von dem ersten Schrecken erholt, jedenfalls war er sehr klar darin, weder mit dem Rauchen aufhören zu wollen, noch würde er seine Ernährung umstellen. Da bliebe ja nichts zum Leben übrig und Mann braucht ja sein Fleisch. So etwas macht mich mitunter ratlos. Sicher kennt Ihr das. Der Mann ist ja kein Einzelfall. Wenn selbst ein drohender Herztod nicht ausreicht, um ein Umdenken zu bewirken – was dann? Kann man überhaupt erwarten, dass Menschen jemals auf ihren Fleischkonsum verzichten? Weltweit ist es schließlich „normal“ und völlig legitimiert, Fleisch und andere tierische Produkte zu essen, und die Nachfrage steigt.

Aber wie sähe unsere Welt aus, würden wir kein Fleisch mehr essen? Diese Frage versucht der Filmemacher Marc Pierschel in seinem Dokumentarfilm THE END OF MEAT zu beantworten. Er ist selbst überzeugter Veganer und hat bereits in seinem Film LIVE AND LET LIVE erforscht, was Menschen bewegt, vegan zu leben. Für THE END OF MEAT ist er um die Welt gereist und hat mit den Pionieren einer globalen veganen Zukunft gesprochen. Was mir sehr gefallen hat: Pierschel verzichtet auf den erhobenen Zeigefinger oder schockierende Bilder von Schlachthöfen. Der Film zeigt sachlich und pointiert die Folgen des heutigen überdimensionierten Fleischkonsums und stellt verschiedene pro-vegane Gegenentwürfe zur Disposition.

 

Pierschel entwirft die These, dass Veganismus möglicherweise nicht nur ein Trend ist, sondern der Beginn eines Wandels. Neben ethischen, ökologischen und gesundheitlichen Hintergründen ist der boomende vegane Markt eine riesige Triebfeder zur Entwicklung von Alternativen. Pierschel hat etwa Wissenschaftler interviewt, die an der Entwicklung von tierfreiem Fleisch forschen – so genanntem cultured meat[1]. Er sprach mit Fleischfabrikanten, die den boomenden veganen Markt für sich entdeckt haben und neben Fleisch- und Wurstwaren vegane Produkte anbieten. Und wenn Ersatzprodukte in Geschmack und Textur dem Fleisch immer ähnlicher werden – warum sollten wir dann Tiere schlachten und essen?

 

So spielt auch das Verhältnis zwischen Mensch und Tier in diesem Film eine große Rolle. Nicht nur ausgesprochene Tierfreunde fordern, die Ausbeutung von „nichtmenschlichen Tieren“ zu beenden. Im ersten veganen Dorf der Welt in Indien darf kein Fleisch verkauft und gegessen werden und siehe da – ehemalige Fleischer haben sich eine neue Existenz aufgebaut, womit sie glücklicher sind. Klar – Pierschel versteht es, den Zuschauer auch mit schönen Bildern und Geschichten zu unterhalten. Darum will ich auch nicht zu viel verraten. Vielleicht noch dies:  Die Entscheidung für ein veganes Leben, das zeigt der Film, ist in der Regel mehr als ein Trend, nicht das Bedürfnis, hip sein zu wollen oder dergleichen. Es ist eine Haltung, die man bewusst und durch langwierige Überlegungen einnimmt, und dabei spielt es eigentlich keine Rolle, ob man es macht, weil man sich für den Tierschutz einsetzen möchte, wegen gesundheitlicher Bedenken, weil man gegen den Hunger der Welt ist und das Klima retten will oder aus allen Gründen zusammen.

 

Marc Pierschel war zur Premiere des Films im Raschplatzkino anwesend. Er ist super sympathisch und bescheiden. Den Film, erzählte er, hätte er über crowd founding finanziert. 75.000 Euro hat er für die Reisen und die Postproduktion zusammen bekommen, er hatte 1.300 Unterstützer weltweit. Für ein Filmteam reichte das nicht. Meist war er einzig mit seinem Kameramann Jeff Wirth unterwegs, und oft hätte er alleine reisen und filmen müssen, um Kosten zu sparen. Das ist für mich noch ein Grund mehr, mal die Kinokarte (oder DVD) zu bezahlen, oder?

 

THE END OF MEAT dürfte nicht nur überzeugte Veganer begeistern. Er gibt ein Stückchen Hoffnung mit, dass die Welt ein besserer Ort werden kann – für Mensch und Tier.

Bei Amazon bestellen!

 

Über Marc Pierschel:

Soziologe (M.A.) aus Münster.

Gründete 2001 das Kollektiv ‚roots of compassion.

1. Dokumentarfilm „EDGE – perspectives on drug free culture“.

Kochbuch-Autor von „Vegan lecker lecker“, erschienen 2009‚ und „Vegan!“, einer Einführung in die vegane Lebensweise, erschienen 2010.

2. Dokumentarfilm „Live And Let Live“, entstanden auf der Grundlage seines Buchs „Vegan!“

THE END OF MEAT ist seit September 2017 in deutschen Kinos zu sehen und ab dem 16. Februar 2018 auf DVD erhältlich[2].

 

[1] China hat inzwischen die Patente für cultured meat gekauft.
[2] Die DVD kann jetzt schon bei Amazon vorbestellt werden.

Ulrike David

Ulrike David

Fotografin, Redakteurin und zertifizierte ganzheitliche Ernährungstrainerin

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