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Algen – Superfood oder Bedrohung für die Schilddrüse?

Algen – Superfood oder Bedrohung für die Schilddrüse?

Anna Major Sep 30, 2016 0 753
Meeressalat aus der Bretagne

Meeressalat aus der Bretagne

Wer sagt denn, dass sich nur solche Pflanzen zum Essen eignen, die auf der Erde wachsen? Die Flora der Gewässer ist ebenso vielfältig und teilweise um ein vielfaches nahrhafter als die am Lande. In den meisten Ländern Europas sind Algen in der Ernährungstradition gänzlich unbekannt. Außnahmen bilden da nur Irland, Frankreich und einige Küstengebiete. Algen finden bei uns hingegen erst seit wenigen Jahrzehnten Beachtung auf dem Teller durch den Einzug verschiedener asiatischer Spezialitäten, insbesondere des Sushi. Sie sind aber immer noch ein Nischenprodukt.

In fernöstlichen Ländern wie Japan, Korea und China bilden Algen allerdings einen festen Bestandteil der täglichen Ernährung. In Japan haben, wo gesunde Ernährung einen hohen STellenwert hat, machen sie sogar einen Anteil von bis zu 10 Prozent aus [1,2]. Trotzdem sollten wir nicht vergessen, dass Algen teilweise extrem hohe Mengen an Jod anreichern können, die wir im Jodmangelgebiet Deutschland nicht gewohnt sind. Bei Verzehr dieser extrem jodreichen Algen können unerwünschte Körperreaktionen auftreten. Außerdem können Algen, die besonders viele wünschenswerte Mineralstoffe und wichtige Spurenelemente liefern, auch Schwermetalle anreichern. Was spricht dennoch für Algen in unserer Ernährung? Wie und welche Sorten sollten wir möglicherweise in einem sinnvollen Maß auch bei uns integrieren?

Kleine Warenkunde

Algen gibt es in vielfältigen Variationen. Hauptsächlich finden wir Meeresalgen als Gemüse auf unseren Tellern. Diese sind ausgesprochen mineralstoffreich, zeichnen sich insbesondere durch hohe Gehalte an Calcium, Magnesium und Kalium aus und sind hervorragende Quellen für seltene Spurenelemente, allem voran Jod. Außerdem sind sie protein- und ballaststoffreich, weisen eine günstige Fettsäurezusammensetzung auf und sind reich an Chlorophyll (siehe Chlorophyll – ein Farbstoff für Gesundheit und Schönheit). Und dann gibt es auch noch die Mikroalgen, die eigentlich sog. Cyanobakterien sind, also Bakterien, die wie Pflanzen Photosynthese betreiben können. Diese Algen finden wir ausschießlich als Nahrungsergänzungsmittel in Form von Pulver, Tabletten oder in Kapselform. Fangen wir mal mit der bekanntesten Alge an…

 

Nori

 Wer schon einmal Sushi probiert hat, der weiß, dass diese japanische Spezialität kaum ohne die Ummantelung aus Nori-Algen (Porphyra umbilicalis und andere Porphyra-Arten) auskommt. Diese Rotalgen werden zu rechteckigen papierartigen Blättern geformt und geröstet, wodurch sie schließlich ihre dunkelgrüne Farbe annehmen. Sobald sie mit dem gekochten Sushi-Reis bedeckt und anschließend zu den sogenannten Maki-Rollen geformt werden, weichen die Algenblätter auf und sind sofort genießbar. Die Nori-Blätter sind übrigens genormt auf 19 x 21 Zentimeter und pro Blatt 2,5 Gramm leicht. Man kann die bei der Sushi-Zubereitung eventuell zerkrümelten oder abgebröselten Teile der Nori-Blätter (im Handel auch als Nori-Flocken erhältlich) noch anderweitig verwenden, z.B. als wertvolle Streuwürze in Suppen. Als Rotalgen haben Nori einen moderaten Jodgehalt, sodass sie bedenkenlos in die tägliche Ernährung eingebaut werden können (jedoch nicht mehr als drei bis sechs Blätter pro Tag).

 

Laver

 In Form von Sushi ist Nori zwar trendiger, aber es muss nicht immer fernöstlich sein, wenn man in den Genuss dieser Rotalge kommen möchte. Traditionell wird die gleiche Algenart in Wales und Irland, dort „Laver“ oder „Sloak“ genannt, als sogenanntes „Laverbread“ mit Toast und Muscheln („Cockles“) oder Würstchen und Speck sowie Pilzen zum Frühstück verzehrt [8]. Nach der Ernte an der Westküste Großbritanniens und der Südküste Irlands werden die Algen gewaschen und gekocht bis sie weich sind. Anschließend werden sie gehackt oder püriert, sodass eine dickliche grün-schwarze Paste entsteht, die als kleiner Fladen serviert wird. Je nach Rezept wird der Algenfladen noch in Haferflocken oder -mehl gewälzt.

Den Ursprung hat Laverbread im frühen 19. Jahrhundert als im Zuge der Industrialisierung die körperlich schwer arbeitenden Kumpel viel Energie benötigten. Fett- und proteinreiche Würstchen bzw. Speck sowie vitamin- und mineralstoffreiche Algen bieten da eine solide Grundlage.

 

Dulse

eingeweichte Dulse-Algen

eingeweichte Dulse-Algen

Dulse (Palmaria palmata und Rhodymenia palmata) gehören wie Nori bzw. Laver zu den Rotalgen und sind mit ihrer purpurroten Farbe ein Blickfänger. Sie eignen sich als Beilage für Gemüsegerichte, Salate und Fischgerichte oder als Suppenbeilage. Ein Tipp einer bekannten Naturkost-Marke lautet: „Kross angebraten und mit Tamari abgelöscht können Dulse als veganer ‘Bacon’ vielen Gerichten besondere Geschmacksnote verleihen!“[9]

 

Meeressalat

Diese leuchtend hellgrünen Algen werden nicht umsonst Meeressalat, Meersalat oder Meerlattich (Ulva spp.) genannt. Die Ähnlichkeit mit Blattsalat ist verblüffend und die Alge nennt man in der Bretagne, in deren kühlen Gewässern sie vornehmlich wächst, „Lechuga de Mar“, also Kopfsalat des Meeres [10]. Wie alle Algen hat sie einen typischen Geschmack nach Meer, ist weich, aber dennoch knackig und die Farbe dieser Grünalge setzt auf dem Teller leuchtende Akzente. Anders als manch andere Algen kann diese auch roh verzehrt werden, und sie weist wie Rotalgen einen moderaten Jodgehalt auf.

Aufgrund der starken Düngung durch die industrielle Landwirtschaft in Frankreich und der damit einhergehenden Ausschwemmung von Nitraten ins Meer, sprießt die Alge seit den letzten Jahrzehnten besonders gut (da Nitrate als Stickstoffquelle von Pflanzen genutzt werden), in manchen Gebieten sogar plagenartig, wie die Süddeutsche Zeitung 2011 berichtete [11]. Ein Grund mehr, die proteinreiche Alge des Öfteren auf den Speiseplan zu setzen, um der Plage durch Auffuttern Herr zu werden. 🙂

 

Meeresspaghetti

 Meeresspaghetti bzw. Riementang (Himanthalia elongata) ist eine Braunalgenart, die in langen unverzweigten Strängen wächst und deshalb wie schwarze Spaghetti aussieht. Die Stränge haben einen festen Biss und werden hauptsächlich wegen ihres schönen Aussehens verwendet. Als Braunalgen haben sie eine nicht zu verachtende Jodmenge, weshalb man sie nicht tellerweise wie gewöhnliche Spaghetti sondern nur als Beilage verzehren sollte. Seit 2014 sind diese Algen übrigens als erstes Algenprodukt überhaupt in von Naturland zertifizierter Bio-Qualität aus Kultivierung in Frankreich erhältlich [9].

 

Wakame

eingeweichte geschnittene Wakame-Algen

eingeweichte geschnittene Wakame-Algen

Wakame (Undaria pinnatifida) gibt es im Handel aus unterschiedlichen Pflanzenteilen. Zum einen gibt es die meist in getrockneter Form dunkelgrünen breiten geschnittenen Blätter, die eine unerlässliche Zutat der Miso-Suppen bilden. Zum anderen gibt es häufig im Supermarkt in der Feinkost- bzw. Fischtheke einen Wakame-Salat aus den dünneren und festeren „Wurzeln“ der Alge. Die Farbe ist heller und leuchtender. Dieser untere Teil der Pflanze wird auch Mekabu genannt, hat ein stärkeres Aroma als die Blätter und weist mehr Mineralstoffe auf. Mekabu wird als kleiner Salat bzw. als Gemüsebeilage verzehrt [13].

 

Hijiki

getrocknete Hijiki-Algen

getrocknete Hijiki-Algen

Hijiki (Hizikia fusiformis) sind Meeresspaghetti ähnlich, jedoch sind diese Braunalge vielfach verzweigt, sodass sie nach dem Kochen eher kurzen schwarzen Nudeln oder Spätzle ähneln. Im Vergleich zu anderen Algen ist die Zubereitungszeit der getrockneten Hijiki mit ca. einer Stunde (einweichen und kochen) relativ lang. Wer aber das intensive Aroma nach Meer und Fisch mit einer leicht süßlichen Anisnote nicht missen möchte, wird dies gerne in Kauf nehmen, zumal wieder die Optik der mit dieser Alge zubereiteten Speisen ein schlagendes Argument darstellt. Der Jodgehalt ist im Vergleich zu anderen Braunalgen moderat, aber höher als bei Rotalgen.

 

Arame

Arame (Eisenia bicyclis) ist eine Braunalge mit hohen Jodmengen. Man kann sie in Suppen, als Salat oder als Gemüsebeilage zu Tofu, Reis oder Hirse verwenden. Sie hat einen milden, zart-würzigen oder leicht süßlichen Geschmack [5,15]. Anders als die anderen bisher vorgestellten Algen sollten Arame wegen ihres hohen Jodgehalts immer gewaschen bzw. eingeweicht und ausgespült werden, da Jod teilweise wasserlöslich ist und auf diese Weise der Gehalt reduziert werden kann.

 

Kombu/Kelp

getrocknete Kombu-Algen

getrocknete Kombu-Algen

Das Schwergewicht im Jodgehalt ist die Braunalge Kombu (Laminaria digitata oder Laminaria saccharina). Aus Japan importierte Kombu sind aufgrund ihrer starken Jodanreicherung in Deutschlang als Lebensmittel nicht zugelassen (werden deshalb meist als Badezusatz verkauft) [14]. Die nordatlantische Sorte, die Kelp bezeichnet wird [7], kann einen Ersatz bieten. Aufgrund des sehr hohen Jodgehalts sollte man diese Alge unbedingt nur verzehren, wenn auf der Verpackung Referenzwerte angegeben sind. Ansonsten eignet sie sich zum Auskochen einer „Algenbrühe“ (Dashi), nachdem man die Alge unter fließendem Wasser abgespült und eingeweicht hat (zur Jodreduktion). Grundsätzlich sollte man sehr vorsichtig dosieren, wenn man keine Erfahrung mit Algenverzehr hat und Kombu erst als letztes Algenprodukt in die Ernährung einbauen. Nur ein Gramm der getrockneten Alge kann bereits das Siebenfache oder sogar mehr der empfohlenen Tageshöchstverzehrmenge an Jod liefern. Empfindliche Personen sollten deshalb lieber auf den Genuss verzichten.

Eine andere beliebte Art der Verwendung ist das Mitkochen der Alge mit anderen Lebensmitteln, insbesondere mit Hülsenfrüchten, da diese dadurch weicher und schmackhafter werden. Kombu hat nämlich einen würzigen Geschmack, der von hohen natürlichen Gehalten an Glutaminsäure (verantwortlich für die Geschmacksrichtung „umami“ = jap. köstlich) ausgeht. In synthetischer Form bezeichnet man diese Substanz als Glutamat. Im natürlichen Lebensmittelverbund hat die Glutaminsäure jedoch keine nachteiligen Effekte, die Glutamat sonst mit sich bringen kann (China Restaurant Syndrom oder nicht aufhören können mit dem Essen) [15].

 

Die Mikroalgen Chlorella, Spirulina und AFA-Algen

 Unter gänzlich anderen Gesichtspunkten als die oben beschriebenen Meeresalgen muss man die Blaualgen (oder Blau-Grün-Algen) wie Chlorella, Spirulina und AFA-Algen betrachten, da sie sich deutlich von dem Meeresgemüse unterscheiden. Es handelt sich nämlich um sog. Cyanobakterien, also Bakterien, die wie Pflanzen Photosynthese betreiben und dadurch ihre Energie gewinnen. Als Bakterien bilden sie keine makroskopische Struktur aus, sodass man sie lediglich getrocknet als Pulver, in Kapseln oder als Presslinge/Tabletten erwerben und als Nahrungsergänzungsmittel verwenden kann. Mikroalgen werden außerdem zur Gewinnung von Algenöl, einer veganen Alternative zu Fischöl mit einem hohen Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren, verwendet [16]. Da sie nicht im Meer gedeihen sondern in Süßwasser (bzw. in salzigen Seen, wie Spirulina), muss man dementsprechend keine Sorge vor zu hohen Jodmengen haben. Stattdessen werden diesen Algen viele andere gesundheitlichen Eigenschaften zugesprochen.

Chlorella soll die Eigenschaft besitzen, die Schwermetallausleitung zu unterstützen. Spirulina weist eine hohe Nährstoffdichte sowie einen hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren auf. AFA-Algen sollen harmonisierend auf das Nervensystem wirken [17]. Alle Arten sind sehr eiweißreich (>60%) und besitzen zudem eine große Menge Chlorophyll.

Immer wieder in der Diskussion ist die Frage, ob Mikroalgen für den Menschen verwertbares Vitamin B12 aufweisen, das für viele Menschen und insbesondere Veganer ein Problemvitamin ist, da es eigentlich nur in tierischen Produkten vorkommt und für ein funktionierendes Nervensystem und die Blutbildung äußerst wichtig ist. Wissenschaftler sind sich in der Hinsicht noch nicht einig, da sich der Forschungsstand in den letzten Jahren diesbezüglich immer wieder geändert hat – mal war es echtes Vitamin B12, mal nur Analoga, das die Algen enthalten sollten. Zurzeit ist man der Ansicht, dass nur Chlorella „echtes Vitamin B12“ enthalte [18,19,20], wobei dies noch ausführlich bestätigt werden muss. Auf jeden Fall sollte man sich als Veganer, Risikopatient oder bei einem bestehenden Mangel nicht darauf verlassen und unbedingt immer auf sichere Supplemente zurückgreifen.

Ein weiteres Manko ist häufig eine mangelhafte Qualität der im Handel erwerblichen Mikroalgenprodukte. So sind viele AFA-Algen-Präparate mit giftigen Microcystinen belastet, die Leber, Niere und Gehirn schädigen [21]. Außerdem können Mikroalgen trotz ihres in Relation hohen Gehaltes an Vitalstoffen und Eiweiß die Ernährung nur ergänzen, da man verhältnismäßig viele Kapseln oder Presslinge schlucken muss, um sich relevante Mengen an Nährstoffen zuzuführen. Um zum Beispiel auf die Menge Eiweiß einer Mahlzeit mit Spirulina-Presslingen zu kommen, müsste man z.B. 30 bis 60 Stück schlucken (ca. 10 bis 20 Gramm Eiweiß). Sie sind also eher dazu geeignet, sich mit Chlorophyll zu versorgen oder zum Beispiel als „gesunder“ Ausgleich an Tagen, an denen man keine Möglichkeit hat, frisches und vitalstoffreiches Gemüse und Grünzeug zuzubereiten.

 

Algen in unserer Ernährung

Nachdem ich nun die verschiedenen Algenarten vorgestellt habe, möchte ich nun auf die Relevanz von Algen in unserer Ernährung eingehen, wobei ich mich auf die Meeresalgen beschränken werde, da sie eher wie Gemüse und weniger wie Nahrungsergänzungsmittel auf unseren Tellern landen.

Noch einmal zusammengefasst zählen zu den Kandidaten mit moderaten Mengen an Jod die Rotalgen wie Nori bzw. Laver sowie Dulse und die Grünalgen wie Meeressalat. Braunalgen wie Wakame, Hijiki, Meeresspaghetti, Kombu oder Arame können je nach Standort moderate bis hohe oder sogar extreme Jodmengen anreichern, weshalb bei diesen Algen besondere Sorgfalt und Vorsicht beim Einkauf sowie deren Zubereitung geboten ist. Genaue Jodangaben für eine Algensorte lassen sich nur schwer ermitteln, da diese so stark schwanken können. In der Tabelle unten werden jedoch die relevanten Verhältnisse deutlich.

Da die Jodgehalte so hoch werden können, hat das Bundesinstitut für Risikobewertung BfR in seinem Bericht „Gesundheitliche Risiken durch zu hohen Jodgehalt in getrockneten Algen“ von 2004 bestimmte Algen als nicht verkehrsfähig eingestuft. Das bedeutet z.B. für die Kombu-Alge, dass diese nicht als Lebensmittel verkauft werden darf. Nur noch einmal zur Verdeutlichung: Die Tageshöchstaufnahme an Jod sollte 600 Mikro(!)gramm, also 0,6 Milligramm, bei gesunden Erwachsenen längerfristig nicht überschreiten [12]. Dies entspricht z.B. sechs Nori-Blättern, ca. drei Teelöffel getrocknete Wakame (drei Gramm) oder gerade einmal nur 0,14 Gramm getrocknete Kombu (bezogen auf die Werte in der Tabelle mit getrockneten Algen unten). Beim Einkaufen sollte deshalb auf der Verpackung unbedingt eine Jodangabe des Algenprodukts und auch eine Angabe über die Verzehrmengen vermerkt sein, weil nur dann die Jodgehalte regelmäßig geprüft werden und der Gehalt gewährleistet werden kann.

tabelle_algen

Hält man sich nicht an die empfohlenen Verzehrmengen und verzehrt Algen in einem Übermaß (der sehr schnell erreicht werden kann), droht durch das viele Jod ein Schock für die Schilddrüse. Harmlose Symptome sind da zum Beispiel nächtliches Schwitzen oder Unruhe, im schlimmsten Fall kann sich daraus eine Schilddrüsenfunktionsstörung entwickeln.

Trotz der vielen Warnungen bzgl. der Jodgehalte, muss man auch die positiven Aspekte hervorheben. Nicht nur für Vegetarier und Veganer stellen Algen eine wunderbare Jodquelle dar, wenn man sich an die empfohlenen Verzehrmengen hält. Algen sind allemal eine bessere, da natürliche Versorgung mit Jod, als dies jodiertes Speisesalz vermag. Salz ist gerade einmal so jodiert, damit die Mindestversorgung sichergestellt ist. Verzehrt man aber für eine ausreichende Jodversorgung in Folge mehr Salz, kommen die negativen Aspekte durch den zu hohen Salzkonsum zum Tragen. Gewissenhaftigkeit im Umgang mit Algen ist also das A und O, um sich optimal zu versorgen.

Des Weiteren empfehle ich, Algen lieber von Herstellern zu beziehen, die die Herkunft der Algen (z.B. Frankreich oder Nordatlantik) angeben und die generell gut deklariert sind. Diese sind auch sicher bezüglich etwaigen Belastungen mit Schwermetallen, die immer wieder in der Diskussion sind. In diesem Zusammenhang sollte nicht unerwähnt bleiben, dass Algen ballaststoffreich sind (mit einem hohen Anteil löslicher Ballaststoffe) und etwaige Schwermetalle deshalb eher nicht vom Organismus aufgenommen, sondern an die Ballaststoffe gebunden bleiben und wieder schnell ausgeschieden werden.

 

Sind Algen nun Superfoods?

 Man bezeichnet ein Lebensmittel als Superfood, wenn es mit besonderen Gesundheitsvorteilen aufwarten kann. Meistens bedeutet dies, dass das Lebensmittel eine verhältnismäßig hohe Nährstoffdichte besitzt. Bei Algen ist das durchaus der Fall. Hinzu kommt, dass das Spektrum an Vitaminen und Mineralstoffen äußerst breit ist [3]. So benötigt man zum Beispiel nur 8 Gramm Trockengewicht vom Meeressalat, um mit 260 Milligramm [3] ca. ein Viertel des Tagesbedarfs an Calcium oder mit 372 Milligramm [3] den vollen Bedarf an Magnesium laut DGE [22] zu decken (der Referenzwert für Calcium liegt bei 1000mg und Magnesium bei 350-400mg). Allerdings liefern 8 Gramm des Meeressalats auch schon 1,3 Milligramm Jod [3], was mehr als die doppelte empfohlene Tageshöchstverzehrmenge ist. Und bei diesen Mengen stellt zumindest der Meeressalat einen Schilddrüsen-Schocker dar (ganz zu schweigen von Kombu bzw. Kelp oder Arame), was bedeutet, dass 4 Gramm genügen müssen.

Wenn wir von Mikroalgen sprechen, so liefern auch diese erstaunlichen Mengen an Nährstoffen. Von Spirulina benötigt man z.B. nur etwa 15 Gramm (30 Presslinge á 0,5 Gramm) um etwa die Hälfte des Tagesbedarfs an Magnesium zu decken. Die gleiche Menge liefert auch etwa ein Fünftel des Tagesbedarfs an Eisen oder etwa das fünffache an Vitamin K und beachtliche Mengen an Chlorophyll.

Mein Fazit ist also, dass Meeresalgen vor allem bezüglich ihres Jodgehalts ein Superfood sind, und sowohl Meeres- als auch Mikroalgen mit dem hohen Vitamin-, Mineralstoff- und Chlorophyllgehalt sowie einem hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren in Form von DHA und EPA eine Bereicherung in unserer Ernährung darstellen. Ganz besonders für Vegetarier und Veganer sind Meeresalgen eine wertvolle Jodquelle, die mehrmals die Woche auf den Teller kommen sollte – in den empfohlenen Mengen natürlich. Bei allen Algen – Meeresgemüse sowie Mikroalgen – sollte sorgsam auf die Qualität geachtet werden, um Verunreinigungen, Gifte oder unerwünscht hohe Jodgehalte weitestgehend auszuschließen.

 

Quellen:

[1] M. Indergaard: The aquatic resource. I. The wild marine plants: a global bioresource. In Biomass utilization. (Cote, W. A., editors), 137-168. Plenum Publishing Corporation

[2] http://www.seaweed.ie/uses_general/humanfood.php,

abgerufen am 26.08.2016

[3] P. MacArtain et al.: Nutritional Value of Edible Seaweeds,

Nutrition Reviews, Vol. 65, No. 12, pp. 535-543 (2007)

[4] http://www.makrobiotik.com/Hijiki-Meeresgemuese-75g

abgerufen am 04.09.2016

[5] Arche Naturküche – Produktinformation,

http://www.arche-naturkueche.de/de/produkte/asiatische-spezialitaeten/meeresalgen/uebersicht.php

abgerufen am 04.09.2016

[6] Bundesinstitut für Risikobewertung BfR: Gesundheitliche Risiken durch zu hohen Jodgehalt in getrockneten Algen,

Aktualisierte Stellungnahme Nr. 026/2007 des BfR vom 22. Juni 2004

[7] Schrot & Korn: Gemüse aus dem Wasser,

http://schrotundkorn.de/ernaehrung/lesen/sk0201e2.html

abgerufen am 04.09.2016

[8] http://www.laverbread.com/

abgerufen am 05.09.2016

[9] http://www.arche-naturkueche.de/de/produkte/asiatische-spezialitaeten/meeresalgen/

abgerufen am 05.09.2016

[10] http://eatsmarter.de/lexikon/warenkunde/meeressalat

abgerufen am 07.09.2016

[11] St. Ulrich: Bretange: Algenpest – Mörderischer Meeressalat,

Süddeutsche Zeitung, 19. August 2011

[12] A. Hahn, A. Ströhle, M. Wolters: Ernährung – Physiologische Grundlagen, Prävention, Therapie,

Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, S. 151 (2006)

[13] http://www.essen-und-trinken.de/algen

angerufen am 08.09.2016

[14] http://www.makrobiotik.com/Kombu-Meeresgemuese-100g

abgerufen am 08.09.2016

[15] Stephanie Goldscheider: Nori, Wakame und Kombu – Die Algenküche für Gourmets,

http://www.biothemen.de/Qualitaet/algen/wakame-nori-kombu.html

abgerufen am 09.09.2016

[16] S. Krist: Lexikon der pflanzlichen Fette und Öle,

  1. Auflage, Springer-Verlag Wien (2013)

[17] Zentrum der Gesundheit: Algen – Die grüne Supernahrung, 03.08.2016

https://www.zentrum-der-gesundheit.de/algen-supernahrung-pi.html

[18] Dr. Schweikart: Vitamin B12 und Algen: Spirulina, Chlorella und Nori

http://www.vitaminb12.de/algen/

abgerufen am 09.09.2016

[19] H. Kittaka-Katsura, T. Fujita, F.Watanabe, Y. Nakano: Purification and characterization of a corrinoid-compound from chlorella tablets as an algal health food,

Journal of Agricultural and Food Chemistry, Vol. 50, No. 17, pp. 4994-4997 (2002)

[20] J. H. Chen, S. J. Jiang: Determination of cobalamin in nutritive supplements and Chlorella foods by capillary electrophoresis-inductively coupled plasma mass spectrometry,

Journal of Agricultural and Food Chemistry, Vol. 56, No. 4, pp. 1210-1215 (2008)

[21] Stuftung Warentest: Algenpräparate: Die grüne Gefahr, 11.02.2011

https://www.test.de/Algenpraeparate-Die-gruene-Gefahr-4196341-0/

[22] Deutsche Gesellschaft für Ernährung, www.dge.de//wissenschaft/referenzwerte

abgerufen am 15.09.2016

[23] Spirulina getrocknet, www.naehrwertrechner.de

abgerufen am 15.09.2016

Anna Major

Anna Major

Anna Major, geb. 25.11.1988, studierte an der Georg-August-Universität in Göttingen Physik und schloss dieses 2015 mit dem Master of Science ab. An der Carrots & Coffee Akademie erlang sie die Zertifikate Ganzheitliche Ernährungstrainerin (2015) sowie Ganzheitliche Ernährungstherapeutin (2016) unter der Leitung von Nadia Beyer.

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